Shampoo gegen Haarausfall: Was hilft wirklich?

Wer an Haarausfall leidet, findet am Markt meist die unterschiedlichsten Produkte, die gegen den Verlust der Haare vorgehen sollen – von Shampoos über Tinkturen bis hin zu Medikamenten. Doch was ist dran an den vorgeblichen Wundermitteln? Gibt es tatsächlich ein Shampoo gegen Haarausfall, das die Haare wieder zum Wachsen bringen kann? In diesem Ratgeber geben wir Aufklärung.

Welches Shampoo ist gut gegen Haarausfall?

Produkte gegen Haarausfall und mutmaßliche Haarwuchsmittel finden sich viele. Häufig werben die Mittel mit anregenden Wirkstoffen wie Koffein, Aloe Vera oder Biotin, die die Haarfollikel vor DHT schützen und das Haarwachstum positiv beeinflussen sollen. Doch obwohl diese Shampoos meist großartige Ergebnisse versprechen, sollte ihnen mit Vorsicht begegnet werden. Denn: Wissenschaftliche Beweise gibt es dafür keine.

Koffeinshampoos gegen Haarausfall?

Welches Shampoo gegen Haarausfall hilft wirklich
Es gibt keinen wissenschaftlichen Beweis für die Wirkung von koffeinhaltigen Shampoos. © mraoraor – stock.adobe.com

Koffein nehmen die meisten hauptsächlich in Form einer morgendlichen Tasse Kaffee zu sich, die wach machen und anregend wirken soll. Aber lässt sich dieser Effekt auch auf die Haare übertragen? Hersteller von Koffeinshampoos geben an, dass der Stoff die Durchblutung der Kopfhaut fördern und dadurch die Haare wieder zum Sprießen bringen soll. Wissenschaftlich nachgewiesen ist eine Wirkung jedenfalls nicht.

Woher kommt also das Vertrauen in das Koffein? Nun, in einigen Tests wurden Kopfhautproben über mehrere Tage in einer Koffeinlösung eingelegt, was tatsächlich dazu führte, dass die Haare wieder zum Wachsen angeregt wurden. Das allein gilt jedoch nicht als Beweis für die Wirksamkeit des Shampoos. Denn das Koffeinshampoo hat auf der Kopfhaut im konkreten Gebrauch nur eine kurze Einwirkzeit. Ob das genügt, um einen Erfolg zu erzielen, ist fraglich.

Tinkturen, die Koffein enthalten und über längere Zeit einwirken, haben dabei schon bessere Chancen. Trotzdem wurde auch hier bisher kein wissenschaftlicher Beweis für eine Wirkung gefunden. Sollte also wirklich ein Resultat auftreten, steckt wohl eher ein Placeboeffekt dahinter. Die gute Nachricht ist aber: Schädlich sind die Koffeinshampoos oder -tinkturen nicht.

Basische Shampoos gegen Haarausfall?

Vor allem bei diffusem Haarausfall werden immer wieder basische Shampoos empfohlen. Sie kommen ohne aggressive Chemikalien aus und können die Haare auf sanfte Weise wieder mit den nötigen Nährstoffen versorgen. Wunder sollten allerdings auch hier keine erwartet werden. Wenn der Haarausfall durch Übersäuerung bedingt ist, kann ein Basenshampoo aber zumindest beruhigend für die Kopfhaut wirken.

Shampoo gegen Haarausfall: Stiftung Warentest & Ökotest

Shampoo-Test gegen Haarausfall
2016 wurden von Ökotest 20 verschiedene Shampoos getestet – die Wirksamkeit konnte bei keinem Shampoo nachgewiesen werden. © Misea Adrian Marius – stock.adobe.com

Welches Shampoo gegen Haarausfall ist nun das beste? Die Antwortet lautet wohl: Keines. Denn es gibt unter den vielen vermeintlichen Shampoos gegen Haarausfall für Frauen oder Männer keinen eindeutigen Testsieger.

In einer umfangreichen Untersuchung von 2016 testete Ökotest 20 verschiedene Shampoos, die angaben, gegen Haarausfall zu wirken. Die Wirksamkeit der Produkte konnte dabei bei keinem der Haarwaschmittel bewiesen werden.

Von allen Herstellern lieferten nur zwei Studien ab, die aber beide nicht überzeugend waren. Ganz im Gegenteil: Manche Produkte wiesen sogar bedenkliche Inhaltsstoffe aus.

 

Die Stiftung Warentest kam zu einem ähnlichen Ergebnis und stellte fest, dass es keine hinreichenden Beweise für die Wirksamkeit von teuren Shampoos mit Koffein oder Keratin gibt. Stattdessen empfiehlt die Stiftung nur zwei Mittel, die messbare Effekte bei Haarausfall zeigen: Minoxidil und Finasterid. Beide Wirkstoffe können als Serum bzw. Schaum gegen erblich bedingten Haarausfall eingesetzt werden und sind laut Stiftung Warentest deshalb „mit Einschränkung geeignet“.

Mittel gegen Haarausfall: So regen Sie das Haarwachstum an

Was Produkte gegen Haarverlust betrifft, gibt es also lediglich zwei Wirkstoffe, die zumindest bedingt Abhilfe bei Haarausfall schaffen können. Wie die beiden Mittel angewendet werden und was es dabei zu beachten gibt, erfahren Sie im Folgenden.

Minoxidil: wirksam gegen Haarausfall

Ursprünglich als Medikament gegen Bluthochdruck entwickelt, ist Minoxidil in der Tat wirksam gegen erblich bedingten Haarausfall. Warum das so ist, ist hingegen nicht genau geklärt. Vermutlich regt es die Durchblutung an den Haarwurzeln an, sodass die Haarfollikel besser mit Nährstoffen versorgt werden. Möglich ist auch, dass es die Neubildung von Blutgefäßen fördert und somit die Wachstumsfaktoren im Gewebe erhöht.

Minoxidil wird als Lösung oder Schaum lokal angewendet. Dabei lässt sich die Glatzenbildung verlangsamen und der Haarwuchs anregen. Zwar kann das Mittel von beiden Geschlechtern verwendet werden, die Dosis ist allerdings bei Männern und Frauen unterschiedlich. Der Nachteil des Medikaments: Es muss dauerhaft angewendet werden. Sobald es abgesetzt wird, setzt in der Regel auch der Haarausfall wieder ein. Informationen über eine Langzeitbehandlung gibt es ebenfalls noch keine.

Nur für Männer: Finasterid

Finasterid ist verschreibungspflichtig und wird meist in Pillenform eingenommen. Es hemmt die Umwandlung von Testosteron in DHT (Dihydrotestosteron) und soll somit ebenso gegen den erblich bedingten Haarausfall agieren. Das Medikament zeigt auch tatsächlich Wirkung! Zumindest bei etwa 4 von 10 Männern war nach ca. 6-12 Monaten eine Verbesserung des Haarwachstums zu bemerken.

Trotzdem ist das Präparat nicht zu unterschätzen, denn es kann in den Hormonhaushalt eingreifen und in seltenen Fällen Nebenwirkungen wie eine Beeinträchtigung des Sexuallebens hervorrufen. Zudem ist das Mittel für Frauen nicht geeignet und kann vor allem für Schwangere gefährlich sein. Die Langzeitwirkungen des Medikaments sind ebenfalls noch nicht erforscht.

Shampoos bei Haarausfall richtig anwenden

richtige Anwendung von Shampoos gegen Haarausfall
Hier erfahren Sie, worauf Sie bei der Anwendung eines Anti-Haarausfall-Shampoos unbedingt beachten sollten.

Selbst wenn es keine Anti-Haarausfall-Shampoos gibt, heißt das nicht, dass die Haarwaschmittel keinen Einfluss auf die Haare haben. Die richtige Pflege kann durchaus dazu beitragen, wieder kräftigere Haare zu bekommen und dem Haarschopf zumindest optisch mehr Fülle zu geben. Um Ihnen ein wenig auf die Sprünge zu helfen, haben wir hier ein paar Tipps zusammengefasst, damit das Haar glänzend und voller wirkt:

  1. Shampoo ist nicht gleich Shampoo

Das Haarwaschmittel muss immer an die Bedürfnisse der individuellen Haarstruktur angepasst werden. Wenn die Haare zum Beispiel schnell nachfetten, sollten eher keine Shampoos verwendet werden, die viel Feuchtigkeit spenden. Auch zur Bekämpfung von Schuppen ist ratsam, auf spezielle Shampoos zurückzugreifen.

  1. Weniger ist mehr

Ein häufiger Fehler beim Haarewaschen ist, dass zu viel Shampoo verwendet wird. Dabei reicht ein haselnussgroßer Klecks vollkommen aus! Bei einem Zuviel sind die Haare schnell überpflegt und können samt der Kopfhaut austrocknen.

  1. Die richtige Technik

Auch das Haarewaschen will gelernt sein! Selbst wenn es erst einmal unglaubwürdig klingt: Arbeiten Sie das Shampoo nicht zu sehr in die Längen ein, da diese sonst austrocknen und belastet werden. Stattdessen wird das Shampoo einfach in die Kopfhaut einmassiert und durch das Ausspülen gelangt ohnehin ein bisschen Schaum in die Längen. Das genügt auch schon! Achten Sie außerdem darauf, gründlich auszuspülen und keine Shampoo-Reste zurückzulassen.

  1. Lauwarm statt heiß

Damit Haare und Kopfhaut nicht übermäßig strapaziert werden, sollten die Haare nie zu heiß gewaschen werden. Am besten ist lauwarmes Wasser, da bei einer zu hohen Wassertemperatur wertvolle Fette zerstört werden.

  1. Mit nassen Haaren schonend umgehen

Nasse Haare sind besonders empfindlich, deshalb ist es ein absolutes No-Go, die Haare allzu grob mit dem Handtuch zu bearbeiten. Nur trocken drücken, nicht trocken rubbeln, lautet die Devise. Verwenden Sie zum Kämmen der nassen Haare einen grobzinkigen Kamm und beginnen Sie zuerst mit den Spitzen, bevor Sie sich zum Haaransatz weiterarbeiten. So sorgen Sie dafür, dass nicht zu viele Haare ausgerissen werden.

Wer bei der Haarpflege ein bisschen Acht gibt, kann also wesentlich dazu beitragen, dass die Haare zumindest nicht zu sehr beeinträchtigt werden und somit nicht so leicht spröde werden.

Was also tun bei Haarausfall?

Damit steht fest: Bei Haarausfall sollte nicht alleinig auf Shampoos vertraut werden. Stattdessen ist es wichtig, erst einmal die genaue Ursache für den Haarverlust festzustellen. Je nachdem, ob es sich um den anlagenbedingten, diffusen oder kreisrunden Haarausfall handelt, sind schließlich verschiedene Auslöser für den Haarschwund verantwortlich. Dementsprechend kommen unterschiedliche Methoden zum Einsatz, wenn es darum geht, den Haarausfall zu stoppen.

Auf jeden Fall sollte ein Dermatologe zu Rate gezogen werden, um den genauen Grund für das Ausgehen der Haare festzumachen und letztendlich dagegen vorzugehen. Kurz- oder langfristig können auch kosmetische Mittel wie Haarersatzlösungen eingesetzt werden, um kahle Stellen zu verdecken.

Ein Shampoo kann die Haare kräftigen und ihnen wieder mehr Glanz und Fülle verleihen. ABER: Wer an Haarausfall leidet, muss in erster Linie die dahinter liegende Ursache bekämpfen, um den Haarausfall zu stoppen. Allein mit einem Shampoo gegen Haarausfall bewerkstelligt sich dies nicht. Shampoos, die vorgeben, den Haarverlust zu stoppen, sind in der Regel ein reines Kosmetikum und kein wirksames Mittel gegen Haarausfall.


 

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