Kreisrunder Haarausfall

Wenn überraschend eine oder mehrere runde, kahle Stellen am Kopf auftreten, spricht man von Alopecia areata – dem kreisrunden Haarausfall. Für Betroffene sind die auffälligen Flecken meist sehr unangenehm und nicht selten auch mit großer Unsicherheit und psychischer Belastung verbunden. Dennoch gibt es Möglichkeiten, mit dem plötzlich auftretenden kreisrunden Haarausfall umzugehen.

Kreisrunder Haarausfall: Symptome

Von kreisrundem Haarausfall spricht man, wenn sich auf der Kopfhaut rundliche, etwa münzgroße haarlose Stellen bilden, sogenannte Herde. Die Flecken sind meist zwischen drei und vier Zentimetern groß und können einzeln oder vermehrt am Kopf auftreten. In manchen Fällen sind die Abstände zwischen ihnen aber so gering, dass die kahlen Stellen sehr groß wirken.

Bart Kreisrunder Haarausfall
Der Bart ist normalerweise bei kreisrundem Haarausfall nicht betroffen

Mitunter können die Kreise auch mit einer juckenden Kopfhaut einhergehen, die an den haarlosen Stellen hell hervorleuchtet. Typisch sind die sogenannten „Ausrufezeichen-Haare“ am Rand der Herde. Sie werden zum Ende hin immer dünner und lassen sie sich ganz leicht herausziehen. Auch auf den Fingernägeln können Spuren wie Grübchen, Rillen oder Tupfer zu sehen sein.

In den meisten Fällen ist nur das Haupthaar vom kreisrunden Haarausfall betroffen. Unter Umständen können aber auch Löcher im Bart, in den Augenbrauen oder an anderen Körperstellen entstehen. Je nach Schweregrad unterscheiden Mediziner deshalb zwischen verschiedenen Arten des Haarausfalls:

  • Alopecia areata unilocularis: nur eine Stelle ist betroffen
  • Alopecia multilocularis: mehrere Stellen sind betroffen
  • Alopecia areata subtotalis: nahezu das gesamte Kopfhaar fällt aus
  • Alopecia areata totalis: der komplette Verlust des Kopfhaares
  • Alopecia areata universalis: Ausfall aller Körperhaare, einschließlich Wimpern, Bart, Schambehaarung und Haare in Nase und Ohren

Ursachen für den kreisrunden Haarausfall

Leider ist der genaue Auslöser für den kreisrunden Haarausfall bisher nicht bekannt. Mediziner gehen jedoch davon aus, dass er auf eine Störung des Immunsystems zurückzuführen ist. Dabei beginnt das Immunsystem, anstelle von Krankheitserregern die eigenen Haarfollikel anzugreifen. So entstehen Entzündungen an den Haarwurzeln, die die Haare vorübergehend in die Ruhephase drängen.

Da es für die Krankheit eine familiäre Häufung zu geben scheint, kommt auch eine genetische Veranlagung als Ursache in Frage. Nicht wissenschaftlich bewiesen ist allerdings, dass der kreisrunde Haarausfall durch Stress oder andere psychische Belastungen entsteht.

Prinzipiell ist dieser Haarausfall aber eher selten und entsteht nur bei etwa 1-2 von 100 Personen. Meist sind davon eher jüngere Menschen betroffen, doch grundsätzlich kann er in jedem Alter auftreten.

Kreisrunder Haarausfall bei Kindern

Kreisrunder Haarausfall bei Kindern
Wenn Kinder unter Haarausfall leiden, ist das häufig eine Belastung für die ganze Familie. © Joaquin Corbalan – stock.adobe.com

Bei vielen Betroffenen tritt die Erkrankung das erste Mal bereits im Kindesalter auf. Vor allem Kinder mit Downsyndrom sind häufiger davon betroffen. Der Umgang mit dem Haarverlust ist bei jedem Kind ganz unterschiedlich. Entscheidend ist in jedem Fall aber, dass das Kind von seinem Umfeld genug Unterstützung erhält, um mit der Krankheit klarzukommen. Denn gerade im frühen Teenageralter wird dem eigenen Aussehen und der Bewertung durch andere oft große Bedeutung beigemessen.

So ist es wichtig, dass gemeinsam mit dem Kind der geeignete Umgang mit dem Haarausfall gefunden wird. Entscheidungen über mögliche Therapien oder Haarersatzlösungen sollten nie nur von den Eltern allein, sondern immer zusammen mit dem Kind getroffen werden, denn es sollte auf keinen Fall das Gefühl haben, den Eltern äußerlich nicht zu genügen. Durch einen sensiblen Umgang mit dem Thema kann dem Kind ein wenig die Last von den Schultern genommen werden.

Verlauf des kreisrunden Haarausfalls

Es ist schwierig vorauszusagen, wie sich der Haarausfall entwickelt, da er von Person zu Person unterschiedlich verläuft. Meist sind die haarlosen Stellen anfangs noch recht klein und breiten sich später auf einen Durchmesser von 3-4 Zentimeter aus. Befinden sich die Herde in unmittelbarer Nähe zueinander, kann es allerdings vorkommen, dass sie sich verbinden und somit auch größere kahle Areale entstehen.

Die gute Nachricht ist aber: In den meisten Fällen bildet sich der Haarausfall innerhalb eines Jahres von allein wieder zurück und die Haare wachsen wieder ganz normal nach, selbst, wenn nichts dagegen unternommen wird. Trotzdem ist nicht ausgeschlossen, dass der kreisrunde Haarausfall irgendwann zu einem späteren Zeitpunkt wieder auftaucht.

Was tun gegen kreisrunden Haarausfall?

Da der Auslöser des Haarausfalls nicht eindeutig geklärt ist, ist es schwierig, etwas dagegen zu unternehmen. Leider gibt es noch keine Therapie, die sichere Erfolge erzielt. Auch wenn es schwer zu akzeptieren ist: Der Körper regeneriert sich meist von selbst wieder, sodass erst einmal abgewartet werden sollte. Ein Gang zum Arzt ist aber in jedem Fall eine gute Idee. Meist verschreiben Ärzte verschiedene Mittel, die die vermutete Autoimmunschwäche bekämpfen sollen.

Zink und Kortison

Bei Haarausfall wird häufig geraten, Zink einzunehmen. Es soll eine Überreaktion des Immunsystems etwas dämpfen und die Haarwurzeln vor Entzündungen schützen. Das Zink kann in Tablettenform während der ersten drei bis sechs Monate eingenommen werden. Zudem können kortisonhaltige Salben auf die betroffenen Stellen aufgetragen werden.

Spritzen bei Haarausfall
Die Spritzen sollen das Haarwachstum anregen. © New Africa – stock.adobe.com

Mesotherapie bei kreisrundem Haarausfall

Auch eine Mesotherapie kann bei Haarausfall unter Umständen Erfolge erzielen. Dabei werden bestimmte homöopathische Wirkstoffe oder herkömmliche Medikamente in die mittlere Hautschicht injiziert. Die Mischung der Wirkstoffe soll die Haarfollikel stimulieren und wieder zum Wachstum anregen.

Topische Immuntherapie mit DCP

In schweren Fällen wird manchmal eine topische Immuntherapie ausprobiert. Hierbei wird das Kontaktallergen DCP (Diphenylcyclopropenon) auf die betroffenen Stellen aufgetragen, um gezielt eine Allergie auszulösen. Indem das Immunsystem darauf gelenkt wird, sich um die entstehende Entzündung zu kümmern, können die Haare währenddessen wieder mit dem Wachstumszyklus beginnen. DCP ist jedoch kein zugelassenes Medikament und die Behandlung sollte auf jeden Fall nur von erfahrenen Ärzten durchgeführt werden.

Die kahlen Stellen überdecken

Selbst wenn sich der Haarausfall in vielen Fällen von selbst wieder zurückbildet, können die kahlen Stellen für den Betroffenen sehr belastend und unangenehm sein. Nicht zuletzt deshalb, weil die Löcher oft nicht gut mit den umliegenden Haaren kaschiert werden können.

Als Übergangslösung eignen sich daher Haarersatzlösungen, um die Herde zu überdecken, bis die Haare wieder vollständig nachwachsen. So wird den Betroffenen die Last genommen, als krank wahrgenommen zu werden und sie können wieder mit mehr Selbstbewusstsein durch den Tag gehen.

Der kreisrunde Haarausfall stellt für viele Betroffenen eine große psychische Belastung dar. Während er sich in den meisten Fällen von selbst wieder zurückbildet, kommt neben Medikamenten für den kreisrunden Haarausfall auch Homöopathie zum Einsatz. Gerade zur Überbrückung eignen sich Haarersatzlösungen gut, um den Erkrankten die Unsicherheit zu nehmen, bis die Haare wieder nachwachsen.