Erblich bedingter Haarausfall

Der erblich bedingte Haarausfall ist die häufigste Ursache für Haarverlust bei Männern. Doch auch Frauen bleiben davon nicht gänzlich verschont, selbst wenn er bei ihnen etwas anders verläuft. Im Prinzip ist der Haarausfall nichts anderes als eine natürliche Begleiterscheinung des Älterwerdens. Da volles, kräftiges Haar aber gemeinhin als Attraktivitätsmerkmal gilt, kann er für Betroffene oft belastend sein.

Erblich bedingter Haarausfall betrifft meist Männer
Von erblich bedingtem Haarausfall sind in der Regel Männer betroffen. © goodluz – stock.adobe.com

Wann spricht man von erblich bedingtem Haarausfall?

Gründe für das Schwinden der Haare gibt es viele, doch wenn über einen längeren Zeitraum täglich mehr als 100 Haare ausgehen, sprechen Mediziner von Haarausfall. Bei Männern ist die häufigste Ursache dafür die androgenetische Alopezie – der erblich bedingte Haarausfall.

Im Gegensatz zum diffusen Haarausfall fallen die Haare dabei nicht gleichmäßig vom Kopf, sondern werden zuerst an bestimmten Stellen weniger. Da der Haarausfall nach einem bestimmten Muster verläuft, lässt er sich auch relativ leicht diagnostizieren. Der Arzt erkundigt sich dabei unter anderem nach möglichen Krankheiten oder Infekten, um einen krankheitsbedingten Haarausfall ausschließen zu können.

Wie entsteht der anlagenbedingte Haarausfall?

Im Prinzip ist die Ursache für diesen Haarausfall hormonell bedingt. Die Haarfollikel entwickeln mit der Zeit eine Überempfindlichkeit gegenüber dem männlichen Geschlechtshormon Dihydrotestosteron (DHT).

Dadurch verkürzt sich ihre Wachstumsphase, sodass sie immer dünner werden und nur noch eingeschränkt wachsen. Nach einer Weile beginnen sie schließlich ganz auszufallen und kahle Stellen zu hinterlassen.

Wie der Name erblicher Haarausfall schon vermuten lässt ist diese Reaktion auf das DHT meist genetisch bedingt. Wer die familiäre Veranlagung dazu hat, muss sich mit größerer Wahrscheinlichkeit im Alter vom dichten Haarschopf verabschieden. Doch nur weil Vater und Großvater davon betroffen sind, heißt das noch nicht, dass der Haarausfall automatisch auch bei den nächsten Generationen auftritt.

Ob und in welchem Maß der Haarausfall auftritt, ist also nur schwer vorauszusagen. Sicher ist jedoch, dass er, sobald er einmal begonnen hat, nach einem bestimmten Muster verläuft.

Erblich bedingter Haarausfall: Verlauf bei Mann und Frau

Auch wenn Männer häufiger davon betroffen sind, kann der erbliche Haarausfall bei beiden Geschlechtern auftreten. Dabei äußert sich der androgenetische Haarausfall allerdings bei Männern und Frauen jeweils ein wenig anders.

Haarausfall-Stadien beim Mann

Etwa 80 Prozent der Männer sind im Lauf ihres Lebens von Haarausfall betroffen. In welchem Alter er bei Männern beginnt, ist dabei ganz unterschiedlich. So kann die androgenetische Alopezie bereits mit 20 beginnen oder auch erst im Alter auftreten. Typischerweise verläuft sie dabei nach dem Hamilton-Norwood-Schema in mehreren Stadien:

  • Stadium I: Die Haare befinden sich im Normalzustand
  • Stadium II-III: Leichte Geheimratsecken und eine „hohe Stirn“ bilden sich, die immer stärker ausgeprägt ist
  • Stadium IV-VI: Am Hinterkopf entsteht eine Tonsur und die Haare am Oberkopf lichten sich zunehmend
  • Stadium VII: Die kahlen Stellen haben sich so weit ausgebreitet, dass nur noch ein Haarkranz am Hinterkopf besteht

Aber keine Sorge: Nicht jeder Mann, der Geheimratsecken oder eine Stirnglatze bekommt, muss im weiteren Verlauf mit einer Tonsur oder einer vollständigen Glatze rechnen. Denn der Umfang des Haarausfalls ist bei jedem Mann unterschiedlich stark ausgeprägt.

Erblich bedingter Haarausfall bei Frauen

Der anlagenbedingte Haarausfall ist keineswegs nur ein Männerproblem und kann auch bei Frauen bereits ab etwa 30 Jahren auftreten. Meistens sind die Spuren davon aber ab den Wechseljahren deutlich zu sehen.

Erblich bedingter Haarausfall Frau
Bei Frauen lichtet sich bei einer androgenetischen Alopezie häufig das Haar zuerst im Scheitelbereich. © estradaanton – stock.adobe.com

Im Gegensatz zu den Männern beginnt der Haarausfall bei Frauen nach dem Ludwig-Schema meist im Bereich des Mittelscheitels. Auch hier verläuft er üblicherweise nach einem gewissen Muster:

  • Stadium I: Das Haarvolumen nimmt allgemein ab und die Haare beginnen, sich im Scheitelbereich zunehmend zu lichten.
  • Stadium II: Am Scheitel ist schon eine deutlichere Ausdünnung der Haare zu sehen, sodass die Kopfhaut immer deutlicher sichtbar wird. Das Volumen der Haare wird ebenfalls immer weniger.
  • Stadium III: In diesem Stadium sind deutliche kahle Stellen am Scheitel sichtbar und die Haare so dünn, dass sie die Kopfhaut nur mehr leicht bedecken. Dieser Fall tritt jedoch eher selten ein.

Der charakteristische Verlauf mit Geheimratsecken und Tonsur ist hier also nicht zu finden und es ist auch äußerst unüblich, dass Frauen eine vollständige Glatze entwickeln. Allerdings kann es vorkommen, dass sich ein Muster bildet, das von oben gesehen einem Weihnachtsbaum ähnelt und deshalb Tannenbaummuster (Olsen-Schema) genannt wird.

Was hilft bei erblich bedingtem Haarausfall?

Wenn die Haare weniger werden, kann das für beide Geschlechter mitunter eine große psychische Belastung werden, da dichtes Haar vor allem mit Vitalität und Jugend verbunden wird. Was hilft also gegen den anlagebedingten Haarausfall? Leider gibt es noch kein Allheilmittel, welches das Problem aus der Welt schaffen und dem Haarausfall vorbeugen kann, denn das ist zumindest nach derzeitigem Wissensstand noch nicht möglich.

Trotzdem besteht beim Auftreten des androgenetischen Haarausfalls noch kein Grund zur Verzweiflung, denn es gibt verschiedene Dinge, die ausprobiert werden können, um dem Haarverlust entgegenzuwirken oder besser damit zurecht zu kommen.

Erblich bedingter Haarausfall: Mittel zur Bekämpfung

Häufig werden Medikamente mit dem Wirkstoff Minoxidil verabreicht, um den Haarausfall zu stoppen und das Wachstum der Haarwurzeln wieder anzuregen. Dafür ist jedoch ein bisschen Geduld notwendig, denn die Effekte können erst nach ein paar Monaten beobachtet werden. Oft wird auch die Einnahme von Zink gegen Haarausfall empfohlen, weil es die Haarwurzeln vor Entzündungen schützen und die Umwandlung von Testosteron in DHT hemmen soll.

Bei Frauen, die sich noch vor der Menopause befinden, kommen oft östrogenhaltige Hormonpräparate wie die Antibabypille zum Einsatz, um den Haarausfall zu stoppen. Auch eine lokale Anwendung von Mitteln, die Östrogen enthalten, wird manchmal verschrieben.

Kosmetische Möglichkeiten zum Umgang mit dem Haarausfall

Sobald der Haarausfall ein bestimmtes Stadium erreicht hat, gibt es im Normalfall kein Zurück mehr. Doch mit kosmetischen Mitteln kann von den kahlen Stellen abgelenkt werden. Viele Männer lassen sich dabei eine Kurzhaarfrisur oder eine Glatze stehen, die mitunter sogar modisch sein können.

Mit individuell angepassten Haarteilen können kahle Stellen jedoch ebenfalls gut kaschiert werden. Der Haarersatz wirkt dabei so natürlich, dass der Haarausfall gar nicht auffällt. Je nach persönlichen Bedürfnissen und Vorlieben können dabei Haardichte, Farbton oder Frisur frei gewählt werden. Auf diese Weise bekommen die Betroffenen wieder ein positiveres Selbstbild und gehen selbstbewusster durch den Tag.

Erblich bedingter Haarausfall kann ab einem bestimmten Alter bei beiden Geschlechtern auftreten. Wie mit dem Haarverlust umgegangen wird, ist dabei von Person zu Person unterschiedlich. Während die einen den Haarausfall und die Glatzenbildung akzeptieren, stellt er für andere eine psychische Belastung dar. In dem Fall können individuell abgestimmte Haarersatzlösungen eine gute Methode sein, damit viele Männer und Frauen sich wieder wohler in der eigenen Haut fühlen.