Welcher Arzt oder Spezialist hilft bei Haarausfall?

Zugegeben: Es ist ein ziemlicher Schock, wenn die Haare beginnen, in großer Menge auszugehen. Groß ist die Angst, bald schon kahle Stellen am Kopf zu entdecken. Vergessen Sie nicht, dass Haarausfall normal ist. Bis zu 100 Haare verlieren wir am Tag. Wenn man bedenkt, dass wir zwischen 90.000 und 150.000 Haaren am Kopf haben, ist das also eine verschwindend geringe Anzahl. Aber was, wenn deutlich mehr Haare ausfallen? Wir geben Auskunft darüber, welcher Arzt bei Haarausfall weiterhelfen kann.

Zu welchem Arzt sollte man gehen?

Wie so oft gilt auch hier: Gehen Sie anfangs erst einmal zum Hausarzt. Er kann bestimmen, ob vielleicht eine Mangelerscheinung vorliegt, wie dies beispielsweise bei Vegetariern häufig der Fall ist, wenn deren Eisenwerte zu niedrig sind. Zudem weiß er, an welchen Spezialisten er Sie am besten überweisen kann.

Zu welchen Arzt sollte man bei Haarausfall gehen?
Bei Haarausfall sollte Sie der erste Weg zum Hausarzt führen.

Oder aber Sie wenden sich gleich zu Beginn an einen Dermatologen. Da die Haare in der Haut verwurzelt sind, fallen sie nämlich in das Fachgebiet des Hautarztes. Teilweise werden sogar spezielle Haarsprechstunden angeboten. Vor allem bei entzündlichen oder narbigen Veränderungen sollten Sie einen Dermatologen aufsuchen.

Ferner kann auch der Besuch eines Endokrinologen äußerst aufschlussreich sein, da er die Beschaffenheit und Funktion der endokrinen Drüsen genauer unter die Lupe nimmt und bei hormonellen Veränderungen des Körpers den Durchblick hat. Wenn Haarausfall in Ihrer Familie erblich bedingt ist, Sie psychisch starkem Druck ausgesetzt sind, Sie eine Operation oder Erkrankung hatten oder Medikamente einnehmen, ist ein Endokrinologe Ihre Anlaufstelle.

Haarausfall bei Frauen ist häufig auf hormonelle Schwankungen oder fehlende Nähr- oder Mineralstoffe zurückzuführen. Ein Gynäkologe kann den weiblichen Hormonspiegel bestimmen und gegebenenfalls den Haarausfall medikamentös behandeln. Zudem verschreibt er auch Nahrungsergänzungsmittel, um einen möglichen Nährstoffmangel aufzufüllen.

Auch homöopathische Behandlungsansätze sind grundsätzlich möglich, allerdings sind sie zumeist nicht von Erfolg gekrönt, wenn sie als einzige therapeutische Maßnahme verfolgt werden. Von nicht-fachärztlichen Spezialuntersuchungen wie einer Haarmineralanalyse sollte möglichst abgesehen werden. Sie sind eher kritisch zu sehen und verwirren zumeist eher, als wirklich zu einer Diagnostik beizutragen.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Wenn das Gefühl Sie nicht loslässt, dass Sie deutlich mehr Haare verlieren als das normalerweise der Fall ist, sollten Sie die Haare zählen, die Sie täglich verlieren. Waschen Sie dazu die Haare und kämmen Sie sich am nächsten Tag über dem Waschbecken, sodass keine Haare auf den Boden fallen können. Stecken Sie die Haare in einen Umschlag und wiederholen Sie den Vorgang über die nächsten Tage, wobei Sie jeweils einen neuen Umschlag verwenden.

Die Haare sollten dazwischen nicht gewaschen werden. Vergleichen Sie am Ende der Beobachtungsphase das Resultat in den Kuverts. Wenn die Anzahl der Haare über 60 liegt, ist das ein Indikator für Haarausfall. Das gilt auch dann, wenn die Zahl der ausgefallenen Haare im Verlauf der Tage nicht weniger geworden ist, sondern stagniert oder sogar zugenommen hat. In diesem Fall ist ein Arztbesuch ratsam.

Welche Arten von Haarausfall gibt es?

Häufig kann ein Arzt innerhalb kürzester Zeit feststellen, um welche Art des Haarausfalls es sich handelt.

Verschiedene Arten von Haarausfall
Für die richtige Behandlung ist es wichtig zu wissen, um welche Art von Haarausfall es sich handelt.

Frauen leiden oft unter diffusem Haarausfall, bei dem auf dem gesamten Kopf die Haare ausfallen. Ursachen sind die Nebenwirkungen von Arzneimitteln, hormonelle Schwankungen oder falsche Ernährung.

Die androgenetische Alopezie, also erblich bedingter Haarausfall, betrifft im Laufe ihres Lebens bis zu 80 % aller Männer und rund 50 % aller Frauen. Es zeigen sich bei Männern anfangs die charakteristischen Geheimratsecken im Schläfenbereich.

Kreisrunder Haarausfall ist in vielen Fällen entzündlich. Ursache können Krankheit, Schwangerschaft oder ein Trauma sein, doch auch die Familienanamnese kann Aufschluss über eine Prädisposition geben. Es bilden sich kleine runde Kahlstellen, die zudem brennen oder jucken können. Wird die Entzündung gehemmt, können die Haare wieder wachsen.

Die vernarbende Alopezie muss ebenso ärztlich behandelt werden. Diese seltene Form des Haarausfalls betrifft nur wenige Prozent aller Männer und Frauen, die unter Haarverlust leiden. Je früher die Erkrankung erkannt wird, desto besser die Möglichkeiten, den Befall der Haarwurzeln zu stoppen.

Was macht der Arzt bei Haarausfall?

Damit der Arzt in einer ersten Untersuchung Ursache und Therapie für Ihren Haarverlust bereits möglichst genau bestimmen kann, sollten Sie bereits im Vorfeld beobachten, wie viele Haare Sie verlieren und ob sich bereits lichte Stellen am Kopf zeigen. So können Sie beim Anamnesegespräch möglichst genau Auskunft geben.

Anamnesegespräch

Zu Beginn des Gesprächs wird der Arzt Sie bitten, einige Fragen zu beantworten. Dazu zählen unter anderem, wann der Haarverlust eingesetzt hat und ob er mit einem besonderen Ereignis wie der Geburt des Kindes oder der Medikamenteneinnahme in Verbindung gebracht werden kann.

Art und Dauer des Haarausfalls werden ebenso eruiert wie die Form des Haarausfalls, also etwa Haarbruch oder dünner werdende Haare und die Lokalisierung auf der Kopfhaut (z.B. stellenweise, kreisrunde Flächen etc.).

Da bei einer Alopezie häufig auch erbliche Veranlagung eine Rolle spielt, wird während des Anamnesegesprächs auch über Haarprobleme väterlicher- und mütterlicherseits gesprochen. Geben Sie zudem an, wenn Sie unter einer Erkrankung leiden oder Medikamente einnehmen.

Untersuchung

Haarausfall: Der Arzt hilft weiter
Nach einem Erstgespräch wird der Arzt Sie bitten, Ihre Haarausfallquote zu erheben.

Wenn nicht bereits geschehen, wird der Arzt Sie bitten, Ihre Haarausfallquote zu erheben. Das bedeutet, dass Sie über einen gewissen Zeitraum hinweg beobachten sollen, wie viele Haare Ihnen ausfallen. Zudem überprüft der Arzt anhand eines Epilationstests, wie leicht die Haare sich lösen lassen. Bei gesundem Haar können Haare nur mit einem gewissen Schmerz verbunden ausgerissen werden. Lösen sich die Haare sehr leicht, ist dies ein Hinweis auf möglicherweise übermäßigen Haarverlust.

In einem Trichogramm werden 50-70 Haare aus dem Schläfenbereich unter dem Mikroskop betrachtet und auf ihre Struktur hin analysiert. Die Struktur verrät auch bei gesundem Haar viel über beispielsweise das Essverhalten, aber auch Haarwachstum, Haarschaft und Haarwurzeln und geben wiederum Aufschluss darüber, was der Grund für den Haarausfall ist.

Ist die Untersuchung unter dem Mikroskop nicht aussagekräftig genug, wird mit einer Blutanalyse die Blutsenkungsgeschwindigkeit und die Konzentration der Schilddrüsenhormone überprüft. Eine Biopsie hilft, bakterielle oder Pilzinfektionen auszuschließen.

Ein Facharzt erkennt häufig bereits auf den ersten Blick, was die Ursache für den übermäßigen Haarausfall ist und kann Sie dementsprechend dahingehend beraten, welche Behandlung den größten Erfolg verspricht, damit die Haare wieder wachsen können.

Behandlung

Sind Ursache und Form geklärt, kann der Haarausfall behandelt werden. In den allermeisten Fällen mit guten Erfolgen, mit Ausnahme der vernarbenden Alopezie. Der Haarausfall ist in diesem Fall irreversibel. Auch hier ist die Behandlung allerdings sinnvoll, um zu verhindern, dass die Erkrankung auf andere Haarfollikel übergreift.

In vielen Fällen – insbesondere bei diffusem Haarausfall durch Stress oder hormonelle Schwankungen – ist es nur eine Frage der Zeit, bis die Haare wieder zu wachsen beginnen und nicht weiter ausfallen. Im Fall von Nährstoffmangel sollten die Essgewohnheiten entsprechend angepasst und durch Ergänzungsmittel angereichert werden.

Eine medikamentöse Behandlung ist in Einzelfällen erfolgsverheißend, um den Fortschritt des Haarausfalls hinauszuzögern. Die Schüßler-Salze 6, 8 und 11 versprechen ebenfalls Wirksamkeit gegen Haarverlust. Handelt es sich bei Haarausfall um die Begleiterscheinung einer Erkrankung, so sollte das Hauptaugenmerk darauf gerichtet werden, die Krankheit selbst zu behandeln.