Haarausfall: Was hilft wirklich?

Wenn die Haare büschelweise ausgehen und die Kopfhaut durch das dünner werdende Haar schimmert, lautet die Diagnose extremer Haarausfall. Beinahe 40 % aller Männer sind von Haarausfall irgendeiner Form betroffen, doch auch jeder fünften Frau fallen im Laufe des Lebens mindestens einmal die Haare aus.

Was kann bei Haarausfall wirklich getan werden? Mittel und Wege gibt es viele, einige davon in ihrer Effektivität durchaus empirisch belegbar, andere entspringen eher dem Wunschdenken. Egal, zu welchem Mittel Betroffene greifen, Wunder sind nicht zu erwarten. Da die Haare nur sehr langsam wachsen, stellen sich Resultate erst nach vielen Monaten geduldiger Behandlung ein.

Kopfhautmassage
Eine Kopfmassage regt zwar die Durchblutung an und wirkt entspannend, hilft aber nicht gegen Haarausfall.

Mythos: Wundermittel

Genauso wie sich Gerüchte darum ranken, welche Übeltäter Haarausfall verursachen, werden über Flüsterpropaganda auch viele vermeintliche Wundermittel angepriesen. Tatsächlich zeigen Behandlungsansätze in Form von Shampoos, Kuren, Elixieren, Haarölen etc. nur wenig Auswirkungen. Die oberflächliche Behandlung erreicht die Haarwurzeln kaum und festigt so die Haare nicht.

Hausmittel aus Zwiebel und Knoblauch, die immerhin als allgemein sehr gesund sind, bringen oft ebenso wenig das erwünschte Resultat. Die empirische Wirksamkeit von Bockshornklee, Thymian und anderen Kräutern aus dem heimischen Garten ist ebenfalls nicht belegt. Und zuletzt ein Mythos, der besonders schmerzt: Kopfmassagen führen leider nicht zu dichterem Haupthaar, obwohl sie die Durchblutung anregen.

Pflanzliche Mittel bei Haarausfall

Die Wirksamkeit von Hausmitteln gegen Haarausfall ist nicht medizinisch belegt. Fallen die Haare trotz Hausmittel weiter aus, wird die Kopfhaut trocken und beginnt zu jucken oder verschlimmert sich der Zustand sogar noch, ist ein Gang zum Arzt unvermeidlich.

Kokosöl als Hausmittel
Kokosöl gilt als der Alleskönner unter den Hausmitteln. Ob es wirklich hilft, ist nicht bewiesen, es kann allerdings auch nicht schaden.

Ein Rezept gegen Haarausfall ist eine Tinktur aus Brennnesselwurzel und Essig. Dazu wird die Wurzel gemeinsam mit einem halben Liter Essig und einem halben Liter Wasser etwa eine Stunde lang gekocht und dreimal pro Woche auf die Kopfhaut aufgetragen.

Zitronensaft, Olivenöl, rohe Eier und Weizenkeimöl stammen ebenfalls aus der heimischen Küche. Sie regen mit Sicherheit nicht das Haarwachstum an, pflegen aber die Haare, so dass sie weniger brüchig erscheinen.

Während Koffeinshampoos in der Laboranalyse vielversprechende erste Resultate gezeigt haben, ist die Wirkung im Praxistest bisher noch nicht belegt. Wichtig bei der Anwendung von Koffeinshampoos ist die Einwirkdauer. Zwei Minuten empfehlen sich hier besonders, da bei längerer Dauer die Kopfhaut zu stark austrocknet, während bei kürzerer Dauer das Koffein die Haarwurzeln nicht erreichen kann.

Ob Bier, Kokosöl oder Natron – Hausmittel gegen Haarverlust haben nicht immer den gewünschten Effekt, schaden allerdings den Haaren auch ebenso wenig, weshalb es auf jeden Fall einen Versuch wert sein kann!

Prävention statt Haare raufen

Haarverlust vorzubeugen ist der beste Lösungsansatz und gilt für alle Arten von Haarausfall, die nicht erblich bedingt sind.

Belastung für die Haare vermeiden

Haare färben und bleichen führt entgegen der Ansichten vieler nicht zu Haarausfall, schädigt aber nichts desto trotz die Haarstruktur nachhaltig. Ähnlich verhält es sich mit Haare föhnen oder glätten: Die Hitze ist zwar äußerst schlecht für die Haare, allerdings trägt sie nicht die Schuld am Haarausfall. Eine hohe Belastung für die Haarwurzeln stellen dagegen sehr enge Frisuren dar. Haargummis können außerdem Bruchstellen verursachen. Wer also eine Tendenz zum Haarverlust hat, sollte auf enge Pferdeschwänze und geflochtene Zöpfe besser verzichten.

Ungesunde Lebensweise ändern

Nachweislich gut für die Haare (aber natürlich nicht nur) ist es, das Rauchen einzustellen. Der Rauch setzt sich von außen auf die Haare und trocknet sie aus, das Nikotin verengt die Blutgefäße, so dass die Haarwurzeln weniger gut versorgt werden können. Auch übermäßiger Alkoholkonsum kann Haarwachstum hemmen. Wer zu Haarverlust neigt, sollte deshalb möglichst nur in Maßen Alkohol zu sich nehmen.

gesunder Lebensstil für gesunde Haare
Wie so oft gilt: Ein gesunder Lebensstil ist auch für gesunde Haare eine Voraussetzung.

Auf ausgewogene Ernährung setzen

Während Nahrungsergänzungsmittel nur noch sehr begrenzt wirken, sobald die Haare einmal auszufallen begonnen haben, ist eine ausgewogene Ernährung eine hervorragende Präventivmaßnahme gegen Haarausfall. Für gesundes Haarwachstum benötigt der Körper Nährstoffe und Spurenelemente, wie Eisen, Kalzium, Zink und Vitamine. Wer von Natur aus unter einem Nährstoffmangel – bei Frauen ist dies häufig ein Eisenmangel – leidet, kann durch Nahrungsergänzungsmittel und eisen-, kalzium- oder vitaminreiche Lebensmittel ausgleichen und vorbeugen.

Stress den Riegel vorschieben

Viele Menschen leiden unter stressbedingtem Haarausfall. Hier führt das Stresshormon Cortisol dazu, dass die Haarpracht weniger wird. Durch bewusste Entspannung und Ausgleich kann in diesem Fall Haarverlust vorgebeugt werden. Sportliche Betätigung, insbesondere Yogaübungen, helfen dabei, Stress abzubauen und sich rundherum entspannter zu fühlen. Frühzeitig Hilfe suchen

Wenn vermehrter Haarausfall festzustellen ist, ist die beste Vorbeugung ein frühzeitiger Behandlungsbeginn. Der Besuch bei einem Facharzt mit spezieller Haarsprechstunde und Untersuchungsmethoden wie dem TrichoScan sollte nicht zu lange aufgeschoben werden.

Therapeutische Maßnahmen gegen Haarverlust

Wie gegen Haarverlust vorgegangen werden kann, unterscheidet sich von Fall zu Fall. Während bei Männern Haarausfall oft als normal angesehen wird, wird er bei Frauen als Krankheitsbild wahrgenommen und dementsprechend anders behandelt.

Entzündungshemmer

Kreisrunder Haarausfall bei Frauen ist oft entzündlich bedingt. Zwar heilt diese Form von Haarausfall im Laufe der Zeit auch von selbst ab, kann aber auch therapeutisch behandelt werden. Ärzte setzen hier oft eine Behandlung mit Kortison oder Licht- und Reiztherapie, um die Entzündung zu hemmen.

Klassiker

Zwei der Wirkstoffe, die bei Haarausfall immer wieder im Gespräch sind und in ihrer Wirksamkeit bisher als am zuverlässigsten gelten, sind Minoxidil und Finasterid. Allerdings wird die Anwendung nicht bei jedem gleichermaßen von Erfolg und damit neuem Haarwuchs gekrönt.

Minoxidil zur äußeren Anwendung ist in der Apotheke rezeptfrei zu erhalten und wird in Form einer Lösung oder eines Schaums direkt auf die Kopfhaut aufgetragen und regt die Durchblutung der Haarfollikel an. Ist die Behandlung mit Minoxidil erfolgreich, stellen sich nach drei bis vier Monaten erste Erfolge ein. Allerdings muss Minoxidil dauerhaft angewandt werden. Wird die Behandlung ausgesetzt, setzt nach wenigen Monaten erneut Haarausfall ein. Sollten Nebenwirkungen wie Kopfschmerzen, Juckreiz oder eine Hautrötung auftreten, darf die Lösung nicht weiter verwendet werden.

Mesotherapie
Mit der Mesotherapie wird der Haarausfall verlangsamt und der Haarwuchs beschleunigt.

Im Gegensatz zu Minoxidil ist Finasterid verschreibungspflichtig, wird aber ebenfalls als Mittel gegen erblich bedingten Haarausfall empfohlen. Finasterid wirkt ausschließlich bei Männern und auch nur dann besonders gut, wenn der Haarverlust sich im Frühstadium befindet. Bei Frauen während der Schwangerschaft kann der Wirkstoff sogar gefährlich für das ungeborene Kind sein – Finasterid kann zu einer Fehlbildung der äußeren Geschlechtsorgane männlicher Föten führten. Finasterid, das die Umwandlung von Testosteron in 5-alpha-Dihydrotestosteron (DHT) hemmt, muss täglich eingenommen werden und wirkt nicht mehr, sobald das Medikament abgesetzt wird.

Mesotherapie

Durch Mesotherapie soll Haarausfall verlangsamt und Haarwachstum angeregt werden, insbesondere dann, wenn der Haarverlust hormonell bedingt ist, etwa bei Frauen in den Wechseljahren oder nach einer Schwangerschaft. Bei einer Mesotherapie werden Injektionen mit einem Vitamin-Cocktail direkt in die Kopfhaut gegeben. Notwendig sind zwei bis acht Behandlungen im Abstand von je zwei Wochen. Das Haarwachstum setzt dann nach zwei bis drei Monaten erneut ein, wenn diese Behandlung erfolgreich ist.

Haartransplantation und -ersatz

Wenn die Haare trotz verschiedener Behandlungsansätze nicht nachwachsen, sollte über eine längerfristige Lösung nachgedacht werden. Denkbar ist etwa eine Haartransplantation mit allen Risiken einer Operation. Dabei wird Eigenhaar Haarfollikel für Haarfollikel eingesetzt. Die verpflanzenten Haare sollten dann in der Regel nicht mehr ausfallen, da sie gegenüber DHT unempfindlich sind.

Auch ein professioneller Haarersatz sieht keineswegs künstlich aus, sondern ist eine schmerzfreie und individuelle Lösung bei Haarausfall. Eine umfassende Beratung und eine Maßanfertigung sorgen dafür, dass sich ein authentisches Gesamtbild ergibt.