Haarausfall durch die Schilddrüse

Fallen täglich deutlich mehr als 100 Haare aus (diese Anzahl gilt als normal), ist eine Fehlfunktion der Schilddrüse häufig der Grund dafür. Das Schmetterlingsorgan ist aus dem Gleichgewicht geraten, produziert zu viel oder zu wenig der verantwortlichen Hormone T3 (Trijodthyronin) und T4 (Thyroxin). Für die Betroffenen stellt dies häufig eine große psychische Belastung dar. Wir erläutern Ursache, Symptome und Behandlung des durch die Schilddrüse bedingten Haarausfalls.

Ursache für den Haarausfall: Schilddrüsenunterfunktion und -überfunktion

Wenn die Haare ausgehen, hat das verschiedenste Ursachen von genetischer Veranlagung bis hin zu Mangelerscheinungen. An die Schilddrüse hingegen wird selten gedacht, vor allem dann, wenn neben Haarausfall keine anderen Symptome aufzutreten scheinen.

Haarausfall durch Schilddrüsenunterfunktion oder Schilddrüsenüberfunktion
Eine Fehlfunktion der Schilddrüse – sei es eine Schilddrüsenüberfunktion, Schilddrüsenunterfunktion oder Hashimoto – ist oft der Grund für Haarausfall.

Das Schwierige bei der Diagnose ist außerdem, dass es keinen Zusammenhang zwischen der Stärke des Haarausfalls und dem Grad der hormonellen Fehlfunktion zu geben scheint. Wer an einer leichten Über- oder Unterfunktion leidet, kann viele Haare verlieren, wer stark von einer Schilddrüsenfehlfunktion betroffen ist, kann dagegen noch alle Haare auf dem Kopf haben. Dennoch gilt Haarverlust als häufiges Merkmal einer Funktionsstörung der Schilddrüse.  

Schilddrüsenüberfunktion

Eine Schilddrüsenüberfunktion, auch Hyperthyreose genannt, bezeichnet den Zustand zu vieler Schilddrüsenhormone im Blut. Der Stoffwechsel wird angeregt. Die Haare wachsen zwar deutlich schneller, wechseln aber auch früher in die sogenannte Ruhephase und erreichen damit eine geringere Länge.

Die Folge ist im ersten Moment, dass die Frisur schlicht nicht hält wie gewohnt. Die Haarstruktur ist dünner und feiner. Flächendeckender Haarausfall und Geheimratsecken auch bei Frauen gehören zu den kosmetischen Auswirkungen der Schilddrüsenüberfunktion, die den gesamten Organismus in Mitleidenschaft zieht.

Schilddrüsenunterfunktion

Aufgrund der Schilddrüsenunterfunktion (griech. Hypothyreose) ist der Stoffwechsel deutlich verlangsamt. Haut und Haare werden trocken und wirken matt. Darüber hinaus sind die Haare äußerst fein und brüchig. Haardichte und -durchmesser nehmen deutlich ab.

Bei einer Unterfunktion sind nicht nur die Haupthaare betroffen, sondern auch andere Körperstellen, so fallen unter Umständen zum Beispiel die Augenbrauen oder Wimpern aus. Jeder zweite Patient, der an einer Schilddrüsenunterfunktion leidet, beklagt Haarausfall.

Medikamente gegen Schilddrüsenfehlfunktion

Die medikamentöse Behandlung zur Regulierung des Hormonhaushalts kann in einigen Fällen Haarausfall zur Folge haben. So beeinflussen zum Beispiel Thyreostatika, beziehungsweise genauer gesagt Thionamide, die die Synthese der Schilddrüsenhormone hemmen (Carbimazol, Thiamazol, Propylthiouracil), das Haarwachstum.

Wer den Eindruck hat, aufgrund von Medikamenten Haare zu verlieren, sollte erst einmal abwarten, insbesondere dann, wenn die Medikamente vor kurzer Zeit erst (neu) eingestellt wurden. Auch einige Wochen nach Beginn der medikamentösen Behandlung können die Haare nach wie vor ausfallen. Ändert sich nichts am Haarverlust, sollte die Einstellung der Medikamente durch einen Endokrinologen überprüft werden.

Von Haarausfall zu Schilddrüsenfehlfunktion: Symptome

Die Schilddrüse ist als Organ wichtig für Wachstum und Entwicklung des Körpers. Eine Fehlfunktion hat schwerwiegende Folgen für den gesamten Organismus – und dennoch wird sie häufig erst spät erkannt oder bleibt sogar unerkannt.

Haarausfall gehört zu den häufigsten Symptomen einer Schilddrüsenüber- oder Unterfunktion. In jedem Fall ist gesteigerter Haarausfall ein erstes Anzeichen dafür, dass Funktionen des Körpers aus dem Gleichgewicht geraten sind und sollte deshalb genau beobachtet werden.

Schilddrüsenunterfunktion oder Schilddrüsenüberfunktion behandeln
Eine Schilddrüsenfehlfunktion sollte unbedingt von einem Arzt abgeklärt werden.

Neben Haarausfall treten bei einer Schilddrüsenüberfunktion noch weitere Symptome auf, die mit einem erhöhten Stoffwechsel in Zusammenhang stehen. Dazu zählen starker Gewichtsverlust, Herzrasen, Wärmeunverträglichkeit und damit verbunden Schweißausbrüche sowie geschwollene und brennende Augen.

Werden die Nägel brüchig und weisen Rillen auf, spannt die Haut und ist sehr trocken und fallen die Haare aus, nachdem sie deutlich dünner geworden sind, liegt die Vermutung nahe, dass es sich um eine Schilddrüsenunterfunktion handelt. Hinzu kommt eine deutlich niedrigere Körpertemperatur, verbunden damit, dass Betroffene häufig frieren und ihre Haut sehr blass wirkt.

Der Stoffwechsel ist signifikant verlangsamt. Dies hat Antriebslosigkeit sowie Gewichtszunahme zur Konsequenz. Alle Symptome treten auch dann auf, wenn die Lebensgewohnheiten ansonsten unverändert bleiben. Fallen die Haare aus, ist Eigenmedikation häufig wenig zielführend und potentiell gefährlich, wenn andere Symptome etwa einer Schilddrüsenfehlfunktion nicht wahrgenommen werden.

Eine Schilddrüsenunterfunktion wird in vielen Fällen durch eine sogenannte Hashimoto-Thyreoditis ausgelöst. Diese Autoimmunerkrankung sorgt dafür, dass das Immunsystem Antikörper produziert, die sich gegen den eigenen Organismus richten. Die ‚Kommunikation‘ zwischen Hypothalamus und Schilddrüse ist so gestört. Aus diesem Grund wird zu wenig T3 produziert oder es werden zu wenig Schilddrüsenhormone freigesetzt.

Behandlung von Haarausfall durch Schilddrüsenerkrankung

Primäres Ziel einer Behandlung gegen Schilddrüsenüber- oder Unterfunktion ist es, das Gleichgewicht des Hormonhaushalts wiederherzustellen. Je früher eine Diagnose erfolgt, desto früher können erste Therapieerfolge sichtbar werden.

Zur Behandlung einer Schilddrüsenunterfunktion werden Schilddrüsenhormone verabreicht, die dem körpereigenen T4 entsprechen. Dieses sogenannte Levothyroxin sorgt dafür, dass der aus dem Gleichgewicht geratene Stoffwechsel stabilisiert werden kann. Selten werden auch Medikamente eingesetzt, die den Körper dabei unterstützen, T4 in T3 umzuwandeln.

Bei einer Schilddrüsenüberfunktion produziert der Körper zu viele Hormone. In diesem Fall erfolgt zuerst eine medikamentöse Behandlung. Die Medikamente zur Drosselung der Hormonproduktion werden unter dem Begriff Thyreostatika zusammengefasst. In regelmäßigen Abständen muss die Dosierung der Medikamente eingestellt werden, deshalb sind turnusgemäße Kontrollen erforderlich.

Führt die Medikamenteneinnahme nicht zum gewünschten Erfolg, stehen weitere Therapiemöglichkeiten zur Verfügung. So kann im Rahmen einer Operation das geschädigte Schilddrüsengewebe entfernt werden. Sorgt das verbleibende Gewebe nicht für eine ausreichende Hormonproduktion, ist in Folge die Einnahme von Levothyroxin erforderlich.

Neben einem operativen Eingriff besteht zudem die Möglichkeit einer Radiojodtherapie. Dabei wird in Form von Kapseln radioaktives Jod verabreicht, die Schilddrüsenzellen, die überschüssige Schilddrüsenhormone produzieren, werden in der Folge zerstört. Auch hier ist eine Schilddrüsenunterfunktion häufig eine Folgeerkrankung.

Welche Behandlungsmethode bei einer Schilddrüsenüberfunktion in Frage kommt, entscheidet der Arzt nach individuellen Gesichtspunkten. Entscheidend für Patienten, die unter Haarausfall leiden, ist, dass eine Behandlung der Fehlfunktion erfolgt. Nur dann nämlich hat auch der Haarverlust ein Ende.

Wie bereits angesprochen, ist dies allerdings nicht zwangsläufig sofort der Fall. Hier heißt es also, sich in Geduld zu üben. Die Frage, ob die Haare überhaupt wieder nachwachsen, kann aber mit einem klaren Ja beantwortet werden. Der Haarausfall ist reversibel.

Neben der richtigen medikamentösen Behandlung der Schilddrüsenerkrankung ist es außerdem möglich, den Prozess mit Haarwuchsmitteln zu unterstützen.

Alles Wichtige zum Thema ‚Haarausfall durch die Schilddrüse‘ im Überblick

  • Haarausfall ist ein häufiges Symptom sowohl der Schilddrüsenüberfunktion als auch der Schilddrüsenunterfunktion.
  • In beiden Fällen verändert sich die Haarstruktur, das Haar wird feiner und dünner.
  • Zu den weiteren Symptomen einer Schilddrüsenüberfunktion zählen u.a. Gewichtsverlust, Herzrasen und Wärmeempfindlichkeit.
  • Bei einer Schilddrüsenüberfunktion nehmen Betroffene zu, wirken antriebslos und haben trockene Haut sowie rissige Finger- und Zehennägel.
  • Die richtige medikamentöse Behandlung der Schilddrüsenerkrankung unterbindet den Haarausfall.
  • Dieser Prozess kann zusätzlich durch Haarwuchsmittel unterstützt werden.