Haarausfall durch Übersäuerung: Ursachen und Behandlung

Wenn die einst volle Haarpracht zunehmend dünner und schütterer wird, ist das für viele eine große Belastung. Doch nicht immer sind die Gene für den Haarverlust verantwortlich. Gerade für den diffusen Haarausfall gibt es viele verschiedene Gründe und so kann auch eine chronische Übersäuerung Haarausfall auslösen. Was genau Übersäuerung mit Haarausfall zu tun hat und wie der Haarverlust wieder gestoppt werden kann, erfahren Sie hier.

Was ist Übersäuerung?

Für die Stoffwechselvorgänge im Körper ist es wichtig, dass der Säure-Basen-Haushalt stets im Gleichgewicht ist. Denn nur so können alle körperlichen Vorgänge richtig funktionieren. Um zu messen, wie sauer bzw. basisch dieses Milieu ist, wird der pH-Wert ermittelt, der auf einer Skala zwischen 1 (sehr sauer) und 14 (sehr alkalisch) liegt. Ideal ist also, wenn der pH-Wert im Blut immer in etwa zwischen 7,35 und 7,45 liegt.

Übersäuerung durch Stress
Durch langfristigen Stress kann es zu einer chronischen Übersäuerung im Körper kommen.

Langfristige Störungen dieses Gleichgewichts können zu verschiedenen körperlichen Beschwerden führen.

Ist der pH-Wert im Blut unter 7,35, spricht man von Azidose bzw. Übersäuerung. Mediziner unterscheiden dabei zwischen zwei Arten:

1. Akute Übersäuerung: Diese Art der Azidose entsteht meist plötzlich, etwa durch Diabetes oder Erkrankungen von Lunge und Niere. Sie kann lebensbedrohlich sein, weshalb es wichtig ist, bei auftretenden Symptomen sofort zum Arzt zu gehen. Anzeichen sind beispielsweise Atemnot, Bluthochdruck, Herzrasen oder Bewusstseinsstörungen.

2. Chronisch latente Azidose: Eine chronische Übersäuerung schleicht sich über Jahre hinweg durch einen ungesunden Lebensstil ein. Häufig entsteht sie durch die falsche Ernährung, Rauchen, diverse Umweltgifte, Bewegungsmangel oder Stress. Neben Müdigkeit und Schwäche können Symptome dafür Mundgeruch, Karies, Hautunreinheiten, Gelenks- oder Kopfschmerzen sein.

Wenn die Übersäuerung chronisch ist, macht sie sich oft erst nach einer gewissen Zeit bemerkbar.

Die ersten Spuren lassen sich häufig an den Nägeln und Zähnen feststellen. Ein weiteres Warnsignal ist, wenn die Haare beginnen, mehr und mehr auszugehen.

Kann durch Übersäuerung Haarausfall entstehen?

Warum kommt es bei Übersäuerung also zu Haarausfall? Bei einem Überschuss an säurehaltigen Lebensmitteln, Bewegungsmangel oder Stress entsteht im Körper Säure. Passiert das aber längerfristig, kann der Körper die Säuren und Schadstoffe nicht mehr richtig abtransportieren, weil Leber, Nieren und Haut überlastet sind. Dann müssen körpereigene Mineralstoffdepots einspringen, um beim Abbauen helfen.

Am schnellsten bezieht der Körper diese Mineralstoffe aus dem Haarboden. Wenn jedoch nicht mehr genug Mineralstoffe von außen nachgeliefert werden, fehlen sie an den Haarwurzeln. Dadurch werden sie nicht mehr ausreichend versorgt und in ihrer Produktion gehemmt. Die Folge: Die Haare gehen aus.

Den pH-Wert messen und feststellen, ob man „sauer“ ist

Wenn Sie sich nicht sicher sind, ob Ihr Körper möglicherweise übersäuert ist, gibt es mehrere Möglichkeiten, das zu überprüfen. In der Drogerie oder der Apotheke sind eigene pH-Teststreifen erhältlich, die den Säuregehalt im Urin messen. Doch eines gleich vorweg: Eine genau Messung einer Übersäuerung ist mit dem Urin nicht möglich. Den er unterliegt allein schon ernährungsbedingt natürlichen Schwankungen zwischen pH 5 und 8. Zudem erfasst der Teststreifen nur einen Bruchteil der Säure im Urin.

Trotzdem können Sie durch einen Selbstversuch zumindest eine erste Einschätzung bekommen. Messen Sie dazu einfach an drei aufeinanderfolgenden Tagen jeweils morgens, mittags und abends den pH-Wert Ihres Urins und notieren Sie ihn. Während er morgens meist am sauersten ist, sollte der Urin mittags allerdings eher einen basischen Wert haben. Ist das nicht der Fall, kann es sein, dass Sie zu sauer sind. Berechnen Sie am Schluss noch den Durchschnittswert. Dazu müssen Sie nur alle Werte zusammenzählen und durch 9 dividieren.

Die einzig nachweisliche Methode zur Messung einer Übersäuerung ist jedoch, einen Arzt aufzusuchen und den pH-Wert des Blutes untersuchen zu lassen. Wenn dieser Wert unter 7,35 ist, ist der Körper übersäuert, was ein Grund dafür sein könnte, dass die Haare sich verflüchtigen. Aber keine Bange, denn die Haare wachsen nach einer Entsäuerung wieder ganz normal nach. Nun stellt sich nur noch die Frage: Wie entsäuere ich meinen Körper?

Was tun bei Übersäuerung?

Wer schon einmal mit Haarausfall durch Übersäuerung Erfahrungen gemacht hat, weiß: Es gilt, den Körper zu entsäuern. Konkret sind dafür zwei Dinge wichtig: 1. Weniger Säuren aufzunehmen und 2. Säuren vermehrt zu neutralisieren und auszuscheiden. Wenn dabei konsequent vorgegangen wird, können sowohl die Übersäuerung als auch der Haarausfall gestoppt werden. Die schlechte Nachricht ist, dass es durchaus eine Weile dauern kann, bis die Effekte tatsächlich zu sehen und zu spüren sind.

Ernährungsumstellung auf basisches Essen

An erster Stelle steht wohl oder übel eine Ernährungsumstellung. Um den Säure-Basen-Haushalt möglichst neutral zu halten, wäre eine Mischung aus 80% basenbildenden und 20% säurebildenden Lebensmittel ideal. Säurebildende Lebensmittel gilt es also erst einmal tunlichst zu vermeiden. Besonders wichtig ist außerdem eine Remineralisierung. Denn erstens neutralisieren Mineralstoffe Säuren und zweitens haben die Haare Mineralstoffe wie Magnesium oder Kalzium dringend nötig, um wieder gesund nachzuwachsen.

Das sollte vermieden werden:

Konkret heißt das, dass Sie von Fleisch, Milchprodukten, Eiern, Weißmehlprodukten und Süßigkeiten besser die Finger lassen sollten. Auch Getränke spielen eine Rolle, denn der Haarausfall kann durch Kaffee, Cola, Schwarztee und kohlensäurehalte Getränke begünstigt werden. Der Griff zur Zigarette sollte ebenfalls unterlassen werden, weil Rauchen genauso zu einer Übersäuerung führt.

Das ist wichtig:

Übersäuerung und Trinken
Man sollte darauf achten, ausreichend zu trinken!

Als basenbildendes Essen gilt beispielsweise unbehandeltes oder schonend gegartes Obst und Gemüse wie Bananen, Pfirsiche, Äpfel oder Trauben bzw. Auberginen, Paprika, Lauch oder Kohl. Auch Kartoffeln oder frische Kräuter wie Petersilie oder Schnittlauch tun gut.

Achten Sie zudem unbedingt darauf, genügend zu trinken, um die Nieren dabei zu unterstützen, saure Stoffwechselprodukte auszuscheiden. Am besten sind täglich mindestens 2 Liter stilles Wasser oder ungesüßte Kräutertees. Zusätzlich können Basentabletten zum Einsatz kommen, sie sollten jedoch nicht dauerhaft eingenommen werden.

 

Basische Haarpflege

Die Pflege der Haare hat ebenfalls einen Einfluss auf die Gesundheit der Haarwurzeln. Um den Körper zu entsäuern, sollten Sie die Inhaltsstoffe des Shampoos genau prüfen und im Zweifelsfall auf eine basische Haarpflege zurückzugreifen. Basische Shampoos haben dabei einen pH-Wert zwischen 7,4 und 8,2.

Wichtig ist auf jeden Fall, keine aggressiven Haarpflegeprodukte zu verwenden und auf zusätzliche Stylingprodukte wie Gele oder Sprays zu verzichten. Eine weitere Möglichkeit ist, ein basisches Osmose-Gel auf der Kopfhaut einwirken zu lassen. Es kann dabei helfen, saure Giftstoffe abzutransportieren.

So mancher schwört bei einer Übersäuerung darauf, die Haare mit Natron zu waschen. Das ist allerdings nur bedingt empfehlenswert, weil dadurch die Haarspitzen und die Kopfhaut ziemlich austrocknen. Wenn Sie es trotzdem versuchen möchten, tragen Sie eine Mischung aus 1-3 TL Natron mit 200-400 ml Wasser auf der Kopfhaut – jedoch nicht auf den Haarlängen – auf. Massieren Sie es ein und spülen sie es anschließend gründlich aus.

Übersäuerung und Bewegung
Bewegung kann den Körper unterstützen, Säure abzubauen.

Ausreichend bewegen

Auch gesunde, sportliche Betätigung hat Einfluss auf den körpereigenen Säure-Basen-Haushalt und kann den Körper dabei unterstützen, Säuren abzubauen. Denn bei körperlicher Belastung wird die Atmung tiefer und der Körper so mit mehr Sauerstoff versorgt.

Dadurch können Sie nicht nur vermehrt saures Kohlendioxid ausatmen, sondern auch mehr sauren Schweiß absondern.

 

Stressbewältigung

Bei der Ausschüttung von Stresshormonen fallen ebenfalls Säuren im Körper an. Vor allem langfristiger Stress kann also dazu führen, dass der Körper immer saurer wird. Da Stress neben Haarausfall jedoch noch eine Vielzahl an anderen körperlichen und seelischen Leiden verursachen kann, ist es wichtig, Methoden zu finden, um Stress abzubauen bzw. zu lernen, damit auf gesunde Weise umzugehen.

Fazit: Wenn zu viele saure Stoffe im Körper anfallen, kann durch diese Übersäuerung Haarausfall entstehen. Um das Milieu des Körpers dann wieder ins Gleichgewicht zu bringen ist es wichtig, auf basische Lebensmittel zurückzugreifen und den Lebensstil zu ändern. Nach und nach wird somit das Haarwachstum wieder angeregt. In der Zwischenzeit kann auch auf künstliche Haarteile zurückgegriffen werden, um die Zeit bis zur Revitalisierung der Haare etwas zu überbrücken.