Alopecia Universalis: Ursache & Behandlung

Bei manchen Arten der Alopezie gehen in relativ kurzer Zeit große Mengen an Haaren aus. Eine besonders extreme Form des Haarausfalls ist die Alopecia universalis, bei der es sogar zum kompletten Verlust aller Körperhaare kommt. Wie die derzeitigen Heilungschancen der Krankheit aussehen und welche Möglichkeiten es gibt, mit dem kompletten Kahlwerden umzugehen, lesen Sie hier.

Was ist Alopecia areata universalis?

Alopecia Universalis kompletter Haarausfall
Bei dieser Krankheit fallen in der extremen Form alle Körperhaare aus.

Die Alopecia areata universalis ist eine sehr starke Form des Haarausfalls, die den Verlust des gesamten Körperhaares zur Folge hat.

Der Kopf wird kahl, die Wimpern und Augenbrauen fallen aus und auch alle Haare am restlichen Körper, inklusive Nasen- und Ohrenhaaren, gehen dabei komplett verloren.

Im Prinzip ist diese Art des Haarverlustes eine extreme Ausprägung der Alopecia areata, also des kreisrunden Haarausfalls. Dabei unterscheidet man zwischen zwei Arten:

  • Alopecia totalis: Alle Kopfhaare fallen aus
  • Alopecia universalis: Alle Kopfhaare und alle übrigen Körperhaare fallen aus

Der unangenehme Prozess, bei dem die Haare mehr und mehr ausgehen, ist überhaupt nicht vorhersehbar. Er kann schnell und innerhalb weniger Wochen passieren, aber genauso gut schleichend und über mehrere Monate vonstattengehen. Zudem können noch weitere Symptome der Alopecia universalis auftreten, wie etwa Veränderungen der Nagelstruktur.

Ursachen für die Alopecia universalis

Kreisrunder Haarausfall und Alopecia areata universalis
Die Krankheit ist eine extreme Ausprägung der Alopecia areata, also des kreisrunden Haarausfalls.

Leider ist immer noch nicht geklärt, was die vollständige Kahlwerdung auslöst. Wissenschaftler gehen derzeit davon aus, dass der Ausfall aller Körperhaare durch eine Kombination aus Umweltfaktoren und genetischen Faktoren bedingt ist.

Als möglicher Risikofaktor für die Alopecia universalis wird auch Stress gehandelt, doch dafür gibt es bisher noch keine wissenschaftliche Grundlage.

Vermutlich steckt hinter dem Haarausfall eine Autoimmunerkrankung, ähnlich wie bei der etwas milderen Form der Alopecia areata. Aufgrund einer Störung betrachtet das Immunsystem das Haarwurzelsystem als Fremdkörper und beginnt, es zu attackieren. Dadurch bilden sich Entzündungen an den Haarfollikeln und die Haare fallen aus.

Wird Alopecia universalis durch Vererbung weitergegeben?

Viele besorgte Betroffene fragen sich, ob Alopecia universalis vererbbar ist und an die Kinder weitergegeben werden kann. Tatsächlich gehen Forscher davon aus, dass der Haarausfall durch Vererbung weitergegeben wird, da bei etwa 20 % aller Betroffenen auch ein Familienmitglied daran erkrankt ist.

Allerdings handelt es sich um eine autosomal-rezessive Erkrankung, die auf einer Mutation auf dem HR-Chromosom beruht. Das bedeutet, dass beide Eltern die Mutation in sich tragen müssen, um sie an die nächste Generation weiterzugeben. Die Chance, an dem Haarausfall zu erkranken, ist somit eher gering.

Gibt es für die Alopecia universalis Heilungschancen?

Nach aktuellem Stand der Forschung gibt es für diese Form der Alopezie leider noch keine endgültige Heilung. Der Verlauf der Krankheit ist nicht vorhersehbar und äußerst variabel. So kann es beispielsweise zu einer Spontanheilung der Alopecia universalis und später zu einem erneuten Haarausfall kommen. Möglich ist sogar, dass die Haare nach vielen Jahren der Erkrankung plötzlich von selbst wieder nachzuwachsen beginnen. Es wird jedoch geschätzt, dass nur etwa 10 % aller Patienten eine vollständige Heilung erfahren.

Behandlung der Alopecia areata universalis

Da der Auslöser für die Alopezie nicht feststeht, ist es sehr schwierig, sie zu behandeln. Meist werden bei den ersten Anzeichen einer Alopecia areata erst einmal Zinktabletten verschrieben. Sie bringen kaum Nebenwirkungen und sollen eine antientzündliche Wirkung haben. Aber Zink alleine ist leider nicht ausreichend, um den Haarausfall tatsächlich zu stoppen bzw. die Haare wieder wachsen zu lassen.

Als mögliche Therapieform für die Alopezie gilt die topische Immuntherapie. Dabei wird wiederholt ein Kontaktallergen, meist DCP (Diphenylcyclopropenon), auf die Kopfhaut aufgetragen. Auf diese Weise soll die Immunabwehr vom Haarwurzelsystem abgelenkt werden, damit die Haarfollikel Zeit haben, sich zu erholen. In der Regel wird erst einmal eine Hälfte der Kopfhaut behandelt, während die andere als Kontrolle dient.

Zinktabletten bei Haarausfall
Bei ersten Anzeichen wird ein Arzt Zink-Tabletten verschreiben.

Die schlechte Nachricht ist jedoch: Die Therapie zeigt leider kaum Wirkung bei Patienten mit Alopecia areata universalis oder führt höchstens zu einem vorübergehenden Haarwachstum.

Zudem treten als unangenehme Nebenwirkung oft starke Hautirritationen wie Rötung oder Schuppung auf.

Im Juni 2014 gelang es in den USA tatsächlich, einen 25-jährigen Patienten der Erkrankung mithilfe eines Rheuma-Medikaments zu heilen. Das Medikament, ein sogenannter JAK-Inhibitor, ist hierzulande aber nicht zugelassen. Aufgrund der meist schwerwiegenden Nebenwirkungen des Medikaments gilt die Heilung des Haarausfalls allerdings eher als Ausnahmefall.

Alopecia universalis: Beeinträchtigung und Alltags-Bewältigung

Rechtlich gesehen kann der vollständige Verlust aller Körperhaare als Behinderung gelten. Denn laut dem Behindertengleichstellungsgesetz (BehiG) gelten jene Personen als Menschen mit Behinderung, denen es eine „voraussichtlich dauernde körperliche, geistige oder psychische Beeinträchtigung erschwert oder verunmöglicht, alltägliche Verrichtungen vorzunehmen, soziale Kontakte zu pflegen, sich fortzubewegen, sich aus- und weiterzubilden oder eine Erwerbstätigkeit auszuüben“ (BehiG, Artikel 2). Welchem Grad der Behinderung die Alopecia universalis zuzurechnen ist, muss ein spezialisierter Arzt abklären.

Fakt ist, dass der Haarausfall mit einer Reihe an körperlichen und emotionalen Beeinträchtigungen einhergeht und Betroffene oft sehr darunter leiden.

Körperliche Beeinträchtigungen: Sonnenschutz ist wichtig

Wenn alle Körperhaare ausgehen, bringt das nicht nur kosmetische, sondern auch gesundheitliche Probleme mit sich. Gerade die Nasen- und Ohrenhaare haben eine essenzielle Schutzfunktion für den Körper, denn sie hindern Staub, Bakterien oder Viren daran, ins Körperinnere zu gelangen. Fehlen diese wichtigen Haare, erhöht sich die Infektionsgefahr für die Betroffenen. Das ist besonders für Allergiker problematisch, weil Allergene dadurch schneller aufgenommen werden.

Doch sogar, wenn die Wimpern und Augenbrauen ausgehen, hat das negative Auswirkungen auf den Körper. Schließlich verhindern sie, dass Schweiß direkt in die Augen rinnt, was nicht nur unangenehm ist, sondern die Sehkraft sogar teilweise beeinträchtigen kann.

Um die kahle Haut vor der direkten Sonneneinstrahlung abzuschirmen, ist Sonnenschutz das A und O. Das bedeutet: nicht nur mit Sonnenmilch eincremen, sondern auch Hüte und Sonnenbrillen tragen, um die Haut aktiv vor der Sonne zu schützen! Sonnenbrillen helfen zudem ein wenig dabei, die Augen vor Staub zu schützen. Wichtig ist außerdem, regelmäßig Balsam in der Nase aufzutragen, um sie feucht zu halten und gegen Bakterien zu schützen.

Psychische Belastungen: Perücke als Haarersatz

Aber selbst, wenn die körperlichen Auswirkungen der vollständigen Kahlwerdung nicht so schwerwiegend sind, sieht das mit der emotionalen Reaktion anders aus. Für die Betroffenen stellt die Erkrankung meist eine große psychische Belastung dar. Da das haarlose Äußere von vielen als fremdartig wahrgenommen wird, meiden Erkrankte soziale Kontakte und leiden unter ihrem Aussehen.

Individuell abgestimmte Haarersatzlösungen ermöglichen es Betroffenen aber, wieder mit mehr Selbstvertrauen durch den Tag zu gehen, ohne gleich als krank wahrgenommen zu werden. Zudem ist es hilfreich, sich psychologische Hilfe zu suchen oder einer Selbsthilfegruppe beizutreten. So können die Leidtragenden Erfahrungen austauschen und müssen die Belastung nicht ganz allein tragen.

Alopecia universalis, also der vollständige Verlust aller Körperhaare, ist eine extreme Form des Haarausfalls, für den es leider immer noch keine vollständige Heilung gibt. Mithilfe von Haarersatzlösungen und sensibler psychologsicher Betreuung können Betroffene aber lernen, mit der Krankheit umzugehen und dadurch wieder mehr Lebensqualität erlangen.


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